Die 10 größten Irrtümer über LoRaWAN

Warum viele Vorstellungen über LoRaWAN falsch sind – und was die Technologie tatsächlich leisten kann.

LoRaWAN hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten Funktechnologien für das Internet der Dinge (IoT) entwickelt. Ob Smart City, Industrie 4.0, Umweltmonitoring oder Landwirtschaft – immer mehr Sensoren kommunizieren über LoRaWAN. Gleichzeitig kursieren zahlreiche Missverständnisse über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Technologie.

In diesem Artikel räumen wir mit den häufigsten Irrtümern auf.


Irrtum 1: LoRa und LoRaWAN sind dasselbe

Dies ist wahrscheinlich der häufigste Irrtum.

LoRa beschreibt lediglich das Funkverfahren (Physical Layer), also die eigentliche Funkübertragung.

LoRaWAN hingegen ist das Kommunikationsprotokoll, das auf LoRa aufsetzt. Es definiert unter anderem:

  • Geräteidentifikation
  • Verschlüsselung
  • Netzwerkaufbau
  • Datenübertragung
  • Gateway-Kommunikation
  • Geräteklassen

Ein Vergleich macht den Unterschied deutlich:

  • LoRa ist vergleichbar mit einem Ethernet-Kabel.
  • LoRaWAN entspricht dem Netzwerkprotokoll, das über dieses Kabel kommuniziert.

Irrtum 2: Ein Gateway erhöht die Reichweite

Viele glauben, dass ein Gateway wie ein Repeater arbeitet.

Das stimmt nicht.

Ein LoRaWAN-Gateway empfängt lediglich die Daten der Endgeräte und leitet sie an den Network Server weiter. Es sendet Nachrichten nicht automatisch weiter und erweitert somit nicht die Funkreichweite eines Sensors.

Benötigt man eine größere Abdeckung, müssen zusätzliche Gateways installiert werden.


Irrtum 3: LoRaWAN ist ein Mesh-Netzwerk

Nein.

LoRaWAN verwendet eine Stern-Topologie (Star-of-Stars).

Ein Sensor kommuniziert immer direkt mit einem oder mehreren Gateways.

Sensor A
      \
Sensor B ---> Gateway ---> Network Server
      /
Sensor C

Es gibt keine Weiterleitung von Sensor zu Sensor.

Wer ein echtes Mesh-Netzwerk benötigt, sollte sich beispielsweise Meshtastic oder andere Mesh-Protokolle ansehen.


Irrtum 4: LoRaWAN eignet sich für große Datenmengen

LoRaWAN wurde für kleine, energieeffiziente Datenpakete entwickelt.

Typische Nutzdaten sind:

  • Temperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • GPS-Position
  • Zählerstände
  • Alarmmeldungen

Nicht geeignet ist LoRaWAN für:

  • Sprachübertragung
  • Videos
  • Bilder
  • Firmware mit mehreren Megabyte
  • Streaming

Je nach Konfiguration liegt die Datenrate nur bei wenigen hundert Bit/s bis einigen kBit/s.


Irrtum 5: Höhere Sendeleistung bedeutet automatisch größere Reichweite

Nicht unbedingt.

Die Reichweite wird unter anderem beeinflusst durch:

  • Antennenqualität
  • Antennenhöhe
  • Sichtverbindung
  • Gelände
  • Fresnel-Zone
  • Spreading Factor
  • Störquellen

Eine hochwertige Außenantenne erzielt häufig eine deutlich größere Verbesserung als eine Erhöhung der Sendeleistung.


Irrtum 6: Mit einem Gateway kann ganz Vorarlberg abgedeckt werden

Ein einzelnes Gateway kann – abhängig von Standort und Antenne – Reichweiten von über 20 Kilometern erzielen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine ganze Region automatisch versorgt wird.

Gebäude, Wälder, Berge und Täler schatten das Funksignal ab.

Eine professionelle Netzplanung berücksichtigt:

  • Topographie
  • Bebauung
  • Vegetation
  • Antennenstandorte
  • gewünschte Redundanz

Erst mehrere strategisch platzierte Gateways ermöglichen eine zuverlässige Flächenabdeckung.


Irrtum 7: LoRaWAN benötigt immer Internet

Nicht ganz.

Die Endgeräte kommunizieren ausschließlich per Funk mit dem Gateway.

Das Gateway benötigt in der Regel eine Internetverbindung zum Network Server.

Alternativ kann jedoch auch ein lokaler LoRaWAN-Server (z. B. ChirpStack) innerhalb eines Unternehmens betrieben werden. Das gesamte System funktioniert dann vollständig ohne Cloud-Anbindung.


Irrtum 8: LoRaWAN ist unsicher

Das Gegenteil ist der Fall.

LoRaWAN verfügt bereits ab Werk über umfangreiche Sicherheitsmechanismen.

Dazu gehören unter anderem:

  • AES-128-Verschlüsselung
  • gegenseitige Authentifizierung
  • individuelle Geräteschlüssel
  • Integritätsschutz der Nachrichten

Wird das System korrekt eingerichtet und verwaltet, zählt LoRaWAN zu den sichersten Funktechnologien im IoT-Bereich.


Irrtum 9: LoRaWAN ersetzt WLAN oder Mobilfunk

LoRaWAN wurde nicht entwickelt, um WLAN oder LTE zu ersetzen.

Jede Technologie besitzt ihren eigenen Anwendungsbereich.

TechnologieReichweiteDatenrateEnergieverbrauch
WLANgeringsehr hochhoch
Bluetooth LEsehr geringmittelsehr gering
Mobilfunk (LTE/5G)hochsehr hochhoch
LoRaWANsehr hochgeringsehr gering

LoRaWAN ist immer dann die richtige Wahl, wenn kleine Datenmengen über große Entfernungen mit minimalem Energieverbrauch übertragen werden sollen.


Irrtum 10: LoRaWAN ist nur für Smart Cities geeignet

LoRaWAN wird heute in nahezu allen Branchen eingesetzt.

Beispiele sind:

  • Industrie 4.0
  • Gebäudeautomation
  • Landwirtschaft
  • Energieversorgung
  • Umweltmonitoring
  • Wasserwirtschaft
  • Logistik
  • Waldbrandfrüherkennung
  • Parkraummanagement
  • Asset Tracking

Die Zahl der Anwendungen wächst kontinuierlich.


Fazit

LoRaWAN ist keine Universallösung – und genau darin liegt seine Stärke.

Die Technologie wurde entwickelt, um kleine Datenmengen über große Entfernungen mit minimalem Energieverbrauch zuverlässig und sicher zu übertragen. Wer ihre Eigenschaften kennt und typische Missverständnisse vermeidet, kann äußerst leistungsfähige IoT-Systeme aufbauen.

Entscheidend für den Erfolg eines LoRaWAN-Projekts sind nicht möglichst viele Gateways oder hohe Sendeleistungen, sondern eine sorgfältige Netzplanung, die Auswahl geeigneter Hardware und eine auf den Anwendungsfall abgestimmte Systemarchitektur.

Bei ThingsLogic entwickeln und realisieren wir professionelle LoRaWAN-Lösungen – von der Netzplanung über die Hardwareentwicklung bis zur Integration in bestehende IoT-Plattformen. Gerne unterstützen wir Sie dabei, das Potenzial dieser Technologie optimal für Ihr Projekt zu nutzen.

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